Ägypten

Die Welt der Götter - religiöse Faszination

10. November 2008

Im Alten Ägypten gab es eine Vielzahl von Göttern, die verehrt wurden. Man unterschied zwischen allgemein bekannten Göttern (z.Bsp. die Weltgötter) und Lokalgöttern, deren Verehrung vor allem auf einen bestimmten Bezirk oder eine Stadt beschränkt waren. Für diesen Gott wurden meist Tempel zur Verehrung errichtet, so der Tempel der Hathor in Dendera (etwa 60 km nördlich von Luxor).

Die Götter konnten unterschiedliche Gestalt besitzen, vor allem in Form eines Tieres oder Menschen. Häufig traten aber auch Mischformen auf, indem der Gott eine menschliche Erscheinung mit Tierkopf annahm. Bekannt sind Anubis, der im Zusammenhang mit dem Totenkult, speziell der Balsamierung stand und einen Schakalkopf besaß oder gänzlich als Schakal gezeigt wurde. Weitere Beispiele sind die Götter Bastet, die einen Katzenkopf trug und der Gott Chnum, der widderköpfig dargestellt wurde. Der Einbezug in den Glauben der Ägypter uferte in der Verehrung der jeweilige Tierart als “heilige” Tiere. Bekannteste sind hier die Apisstiere von Memphis (bei Kairo). Die Verehrung führte später dazu, dass die mit den Göttern assoziierten Tiere wie Katzen, Widder, oder Stieren gleich dem Pharao mumifiziert wurden. In Kom Ombo kann man daher heute noch mummifizierte Krokodile besichtigen, die dem Gott Sobek zugeschrieben waren.
Einige Götter wurden zwecks ihrer Funktion abgebildet. So hält der Gott Thot in einer seiner Funktion als Gott der Gelehrten und der Schrift ein Schreibset in die Hand. Noch prägnanter zeigt sich dies in der Darstellung der Göttin Toëris in Form eines trächtigen Nilpferdes. In dieser Rolle ist sie Beschützerin der Schwangeren und Gebärenden.

Ein wichtiges Merkmal der altägyptischen Götterwelt ist die Bildung von Götterfamilien, häufig in sogenannten Triaden (3 Götter), von denen die Bekannteste die des Osiris, der Isis und ihres Sohnes Horus ist. Im Schöpfungsmythos von Heliopolis taucht sogar eine Neunheit auf, die aus den ersten 9 Göttern der Welt besteht. Mythen dienten den Alten Ägyptern dazu die Vorstellung von der Welt, ihrer Entstehung, etc. zu erklären. Dabei gab es verschiedene Schöpfungsmythen, wobei der Mythos des Kultzentrums Heliopolis zu einem der bekannteste und schönsten zählt. Es gibt verschiedene Versionen von diesem, wovon eine hier kurz erläutert werden soll:

Am Anfang war das Urwasser (Nun), das Chaos. Atum, der “Urgott” erschuf sich selbst aus diesem Wasser. Anschließend zeugt er durch Selbsbefruchtung oder mittels seines Schattens (wohlmöglich auch durch nießen und ausspucken) die beiden Götter Schu (die Luft) und Tefnut (die Feuchtigkeit). Diese wiederum zeugten zusammen den Himmel (Nut) und die Erde (Geb). In Anlehnung an diese Vorstellung findet sich oft die personalisierte Göttin Nut verziert mit Sternen an den Decken von Tempeln oder Gräbern, wo sie das Himmelsgewölbe präsentiert. Zurückkommend auf den Mythos, erzeugt das letzte Götterpaar Nut und Geb die 4 Götter Osiris, Isis, Seth und Nephthys. Die beiden Liebenden Osiris und Isis zeugen schließlich ihren Sohn, Horus, der den Abschluß dieser Götterneunheit bildet.

Als kleiner Exkurs soll die Götterwelt in einem politischen Kontext gesehen werden. Der Alltag der Alten Ägypter war von einer großen Religiösität geprägt, die sich auch im Staatsbild ausdrückte. Dies zeigt sich im Zusammenhang von dem Sitz der Hauptstadt und dem Kultstatus der Götter, der bei Verlegung der Haupstadt entsprechend auf den nächsten Lokalgott überging und seine Bekanntheit und Verehrung im ganzen Land anwachsen ließ.

Am deutlichsten zeigt sich die enge Verbindung zwischen Staat und Götterglaube in der Amarnazeit, als Pharao Echnaton an der Spitze des Staates stand und die Vielgötterei, speziell die Verehrung des Hauptgottes Amun verbot und die alleinige Anerkennung des Sonnengottes Aton befahl. Bei der hohen Komplexität der religiösen Welt im Alten Ägypten ist dieser Schritt nachzuvollziehen, fand jedoch durch Echnaton einen zu brutalen Versuch, als dass sich diese neue Vorstellung eines Monotheismus in den Köpfen der Alten Ägypter verankern und durchsetzen konnte. So kam es, dass kurze Zeit nach Echnaton der alte Glaube wiederhergestellt wurde und noch einige Jahrhunderte andauerte bis es zur Übernahme durch das Christentum und den Islam kam und die Glaubensvorstellungen der Ägypter untergingen.

Stephanie Trappe

Kategorie: Das Alte Ägypten